Religion ist fundamentalistisch. Ihr Fundament ist reflektierte Individualität. Religiös ist die Frage des Individuums nach dem Bezug zwischen sich selbst und dem Sein.
Nichts wird mitgeteilt. Alles wird gefunden. Alles Mitteilen, ist Hinweis darauf, wo man suchen kann.
Theologie ist die Wissenschaft von dem, was allem angehört und sich selbst vollständig bestimmt.
Wahr ist, was die Freiheit des Seins nicht beschneidet, weil das Sein als Wahres sein Wesen zum Ausdruck bringt.
Individualität ist die Entbindung des Einzelnen in die Freiheit bewusster Entscheidung. Der Entbindung entspringt der Impuls zur Rückbindung an das, was das Entbundensein sichert. "Religare" heißt auf lateinisch "zurückbinden". Als Folge der Freiheit sucht das Bewusstsein Ausrichtung an dem, was wahr ist. In der Frage nach Sinn und Wahrheit erreicht es seine volle Funktion. Das religiöse Interesse ist eine geistige Disziplin, die individueller Bewusstheit wesenhaft innewohnt.
Da nicht nur das Bewusstsein des Einzelnen eine Absicherung seiner Entscheidungen durch die Erkenntnis des Wahren sucht, sondern auch jede politische Institution eine Absicherung ihrer Macht, ist der religiöse Impuls stets gefährdet, von politischen Interessen vereinnahmt zu werden. Beispiele dafür sind sogenannte "politische Religionen", allen voran der Judaismus, das Christentum und der Islam. Tatsächlich sind "politische Religionen" keine echte Religion. Es sind Ideologien, die den religiösen Impuls zum Machterhalt unter ihre Herrschaft zwangen. Eigentlich religiös ist nur das Bewusstsein als Ausdruck einer Individualität, die frei nach Sinn und Wahrheit fragt.
Selbstverständlich wird im Horizont "politischer Religionen" auch echte Religion gelebt; aber nicht weil Judaismus, Christentum und Islam religiöse Impulse tatsächlich fördern, sondern weil ihr totalitärer Anspruch dem religiösen Impuls - vor allem früher - keine andere Möglichkeit ließ. Durch die Bindung an "politische Religion" wird der religiöse Impuls jedoch verfälscht.
Da Religion vom Individuum ausgeht und von dort aus aufs Ganze blickt, sind Dogmen antireligiös. Das Dogma richtet nicht von innen aufs Ganze aus. Es beugt von außen in eine Form.